Do.16.4.: Anders wirtschaften - Weniger arbeiten - Klima schützen: Besser leben nach Corona

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ahlerta
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Do.16.4.: Anders wirtschaften - Weniger arbeiten - Klima schützen: Besser leben nach Corona

Beitrag von ahlerta »

Anders wirtschaften - Weniger arbeiten - Klima schützen: Besser leben
nach Corona


Virtueller Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

**** Der Vortrag wird über Zoom gehalten, Einladungslink folgt unter:
https://www.facebook.com/events/524189868490561/ ****

Donnerstag, 16. April 2020, 18.00 Uhr

Eine Veranstaltung der SJD – Die Falken Hessen Nord und 4-Stunden-Liga

Dass die Welt, die wir kennen, im Eiltempo zerfällt, war schon vor der
Coronakrise mit Händen zu greifen. Ob von Klima, Finanzen, Wirtschaft,
Sozialsystemen, Demokratie, Migration oder internationalen Beziehungen
die Rede ist - schon lange fällt wie von selbst das Wort Krise. Mit der
Ausbreitung des Coronavirus spitzt sich diese allgemeine Krise in einer
Geschwindigkeit und einem Ausmaß zu, wie es sich noch vor kurzem kaum
jemand vorstellen konnte.

Klima- und Coronakrise demonstrieren eindrücklich, dass „unsere
Wirtschaft“ existentiellen Herausforderungen nicht gewachsen ist. Die
Klimakrise offenbart, dass mit deren Prinzipien „Ewiges Wachstum,
Maximaler Profit, Steigende Aktienkurse“ die Zerstörung des Planeten
programmiert ist. Die Coronakrise führt zudem drastisch vor Augen, dass
diese Wirtschaft bereits in kürzester Zeit Leichenberge produzieren
würde, wenn nicht massiv in sie eingegriffen würde. Die Notbremse zieht
im Moment, mehr schlecht als recht, der Staat und er führt damit alles
ad absurdum, was gestern noch als unumstößlich und heilig galt - von der
Schuldenbremse bis hin zum angeblich so segensreichen Wirken des Marktes
selbst.
Doch die Spatzen pfeifen von den Dächern, welche Folgen diese
staatlichen Beatmungsversuche der Wirtschaft haben werden. Denn Staaten
und Zentralbanken können sie nicht beliebig und ungestraft mit Geld
fluten. Die Krisenanfälligkeit des Systems wird noch größer und stellt
bereits heute alles in den Schatten, was wir 2008/2009 und in den
Folgejahren erlebt haben. Schon häufen sich die zynischen und schamlosen
Appelle, die Leute mögen wieder arbeiten gehen und sich infizieren.
Besser es sterben Menschen als die Wirtschaft bricht ein, lautet der
Offenbarungseid des Kapitalismus.

Eine Rückkehr zum so genannten Normalzustand, von der manche noch
träumen, wird es nicht geben. Es darf sie auch nicht geben. Schon
deswegen, weil wir mit dieser Wirtschaft der nächsten Seuche noch mehr
ausgeliefert wären. Der Ausstieg aus ihrer absurden und zerstörerischen
Logik ist unser buchstäbliches Überlebensinteresse. Auch die
Klimaschutzbewegung kann nur erfolgreich sein, wenn sie das thematisiert
und einfordert. Tut sie das nicht, wird sie auch weiterhin am Argument
mit den Arbeitsplätzen abprallen wie an einer Gummiwand. Denn wer
arbeiten muss, um Geld zu verdienen, damit er leben kann, sitzt auch
dann in der Falle, wenn er verstanden hat, dass es so nicht weitergehen
kann.

Aber es gibt keinerlei sachlichen Zusammenhang zwischen einer guten und
stabilen Lebensmittelversorgung und steigenden Aktienkursen. In einer
vernünftig organisierten Wirtschaft könnte die Automobilproduktion
massiv gedrosselt werden, ohne dass deswegen die Mittel für eine gute
Gesundheitsversorgung fehlen würden. Diesen Zusammenhang erzwingt
gegenwärtig allein die absurde Logik der Kapitalverwertung.

Doch wir müssen dem nicht hilflos ausgeliefert bleiben. Mit unserer
Produktivität, unserem Wissen, unseren Fähigkeiten und unserer Phantasie
können wir auch ganz anders wirtschaften, ohne dabei den tragischen
Irrweg des Staatssozialismus zu wiederholen. Wir werden wirklich
nachhaltig wirtschaften und Wachstumszwang und Aktienkurse ins Museum
verbannen. Unser Wirtschaften wird endlich den stofflichen Reichtum, den
wir zum Leben brauchen zum Mittelpunkt haben: Kleidung, Nahrung,
Gesundheit, Wohnen, Bildung, Wissenschaft, Kultur - für alle Menschen.

Weil ein Großteil dessen, wofür wir gegenwärtig arbeiten, allein der
zerstörerischen Logik der Kapitalverwertung dient, werden wir sehr
vieles, wofür Menschen heute schuften müssen, ersatzlos abschaffen und
vieles andere wesentlich reduzieren. Auch, wenn wir dann endlich
genügend Zeit und Möglichkeiten für die notwendigen Care-Tätigkeiten wie
z.B. die Gesundheitsversorgung haben werden, können wir die
gesamtgesellschaftliche Arbeitszeit massiv reduzieren. Unser Leben wird
reicher, sicherer und besser sein.

Lothar Galow-Bergemann hat lange in der Krankenpflege gearbeitet, war
Personalrat in zwei Großkliniken und schreibt u.a. für konkret, Jungle
World und www.emafrie.de <http://www.emafrie.de/>

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