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Veranstaltungsreihe "beyond eco - Blicke über Teller- und Feldrand"

Verfasst: 6. Mai 2019, 10:18
von AStA-ÖkoReferat
"beyond eco - Blicke über Teller- und Feldrand"
Veranstaltungsreihe des AStA-ÖkoReferats im SoSe 2019 in Kassel und Witzenhausen

Termine:
Mo, 06.05. Vortrag “Tiere essen als imperiale Praxis“
19 Uhr, Raum 0401, Arnold-Bode-Straße 2 (Kassel)
Referent*in: Hannah Engelmann, I.L.A. Kollektiv

Mi, 15.05. Workshop "In der Landwirtschaft und Queer! oder Queere Landwirtschaft?"
16-19 Uhr, H23, Steinstraße 19 (Wiz)
max. 30 Teilnehmer*innen, Anmeldung bitte per Mail an sboeko@asta-kassel.de
Referent*innen: Paula Gioia und Sophie von Redecker

Mi, 12.06. Workshop “Arbeit in der Landwirtschaft -  Zwischen Idealismus und Selbstausbeutung“
14:30 – 18:30 Uhr, H23, Steinstraße 19 (Wiz)
Referent*innen: Sarah Wittkamp und Katharina Varelmann

Do, 13.06. Vortrag „Land_wirtschaft – Perspektiven feministischer Ökonomiekritik auf gegenwärtige Krisenhaftigkeiten“
19 Uhr, Kleine Aula, Nordbahnhofstraße 1a (Wiz)
Referent*in: Carla Wember

Di, 02.07.19 Vortrag „Was hat Gemüse mit Migration zu tun? Ursprüngliche Akkumulation, Arbeitsrechte und die Marktmacht der Supermarktketten“
19 Uhr, Kleine Aula, Nordbahnhofstraße 1a (Wiz)
Referent*in: Dr. Alexander Behr
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Worum geht's?

Vortrag “Tiere essen als imperiale Praxis“
Was heißt „imperiale Lebensweise“ und wie zeigt sie sich im System der industriellen Tierhaltung?
Die imperiale Lebensweise ist dadurch gekennzeichnet, dass sich ein kleiner Teil der Weltbevölkerung übermäßig an den Ressourcen der Welt bedient – und das mit in einem immer größer werdenden Ausmaß. Hinter dem „Ressourcen“-Begriff verbirgt sich dabei ein Sammelsurium, das von den Schätzen des Bodens über die Arbeitskraft von lohnabhängigen Menschen bis hin zu den Körpern von Tieren reicht.
Die Dimensionen der imperialen Lebensweise kristallisieren sich in den Praktiken der industriellen Tierhaltung besonders klar heraus – von Produktion und Konsum über politische Institutionen bis zu Alltagsbewusstsein und Diskursen. Da sind die Arbeitsverhältnisse in den Schlachthöfen und auf den Futtermittelfeldern, da ist das Supermarktsystem mit seinen entfremdeten Essenswaren aus dem Nirgendwo, da ist die Zerstörung der Natur durch Monokulturen, Gülle-Ströme und Treibhausgase, und immer „das unbeschreibliche, unausdenkliche Leiden der Tiere“ (Max Horkheimer).

Workshop   "In der Landwirtschaft und Queer! oder Queere Landwirtschaft?"
'Natur' und Landwirtschaft sind eng verwoben. In Bezug auf die normative Geschlechterordnung wird oft 'die Natur' als Rechtfertigungsgrundlage herangezogen. 'Die Natur' soll die soziale Ordnung von zwei, und nur zwei, Geschlechtern sowie deren gegenseitiges Begehren stützen. Aber besteht 'die Natur 'wirklich nur aus weiblich und männlich oder besteht sie aus queerer Vielfalt? Gibt 'die Natur' die Grundlage für das sogenannte "klassische" Familienmodel, das gerade in Bezug auf Landwirtschaftliche Betriebe immer wieder hochgehalten wird? Was ist überhaupt 'die Natur'? Und was ist 'queer'?
In diesem Workshop wollen wir bei 'der Natur' anfangend, die patriarchalen und binären Vorstellungen von Sexualität, Gendermustern und Rollenzuschreibungen an ihrer Wurzel packen, dekonstruieren und aufzeigen, dass die Landwirtschaft, ihre Bäuer_innen und 'die Natur' selbst diesen konstruierten Ideen oft nicht entsprechen. 
Ein partizipativer Workshop für alle, die sich innerhalb der herrschenden Gendernormen, Familienmodelle oder Geschlechterrollen in der Landwirtschaft nicht wiederfinden oder auch die, die sich diese Fragen noch nie gestellt haben.

Workshop “Arbeit in der Landwirtschaft -  Zwischen Idealismus und Selbstausbeutung“
Workshop und Erfahrungsaustausch zu Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft
Was sind eigentlich gute Arbeits- und Lebensbedingungen? In diesem Workshop soll es darum gehen, was für euch zu guter und fairer Arbeit dazugehört. Und was nicht!
Die Arbeit in der Landwirtschaft oder als Gärtner*in bringt Spaß und ist vielerorts eine erfüllende Tätigkeit. Doch wo hört der Spaß auf und fängt die (Selbst-)Ausbeutung an?
Die Arbeitsbedingungen auf landwirtschaftlichen Betrieben beeinflussen den Alltag in diesem Bereich sehr stark. Auf vielen Höfen herrscht eine „Parallelwelt“ zur „normalen“ Arbeitswelt: Saisonale Spitzenarbeitszeiten, viele Überstunden, Arbeit am Wochenende und eine geringe Bezahlung gehören für viele zu diesem Job dazu.
In dem Workshop soll es vor allem um Austausch gehen. Wie sieht die eigene Vorstellung von guten Arbeitsbedingungen aus? Warum fällt es gerade in der Ökobranche vielen Arbeitnehmer*innen schwer für ihr Arbeitsrechte und für eine gerechte Bezahlung einzustehen? Wie sieht es in eurem Alltag aus mit Pausen, Urlaub, Überstunden und Überlastung? Was hat ihr schon auf Höfen erlebt? Und was könnten Ansätze sein, diese Dinge zu verändern?
Außerdem werden Institutionen vorgestellt, die bei Verstößen gegen die geltenden Arbeitsbedingungen Infos geben und bei Problemen unterstützen können.

Vortrag „Land_wirtschaft – Perspektiven feministischer Ökonomiekritik auf gegenwärtige Krisenhaftigkeiten“
Was haben Geschlechterverhältnisse mit sozial-ökologischen Krisenhaftigkeiten der Landwirtschaft zu tun? Das ist zentrale Frage dieses Vortrags. Mit theoretischen Ansätzen (queer-)feministischer Ökonomiekritik soll auf die Entwicklung landwirtschaftlicher Strukturen in Deutschland geblickt werden. Dadurch wird es möglich, den Zusammenhang zwischen Land und Wirtschaft als gleichzeitig eigenartig und prototypisch für breitere sozial-ökologische Krisenhaftigkeiten einzuordnen.
Im Vortrag werden zunächst zentrale Thesen (queer-)feministischer Ökonomiekritik erläutert. Im zweiten Teil wird dann die Entwicklung landwirtschaftlicher Strukturen in Deutschland in dieser Perspektive beleuchtet und schließlich werden Potenziale der Landwirtschaft für die Transformation von sozial-ökologischen Verhältnissen und im Speziellen von Geschlechterverhältnissen herausgearbeitet.

Vortrag „Was hat Gemüse mit Migration zu tun? Ursprüngliche Akkumulation, Arbeitsrechte und die Marktmacht der Supermarktketten“
Der Zusammenhang von Migration und Landwirtschaft wird anhand von historischen und aktuellen Beispielen illustriert und differenziert betrachtet. Dabei wird sowohl auf Landwirtschaft als Flucht- und Migrationsgrund als auch auf Landwirtschaft als eines der Hauptbeschäftigungsfelder für migrantische Arbeitskräfte in Europa eingegangen.
Entlang der Wertschöpfungskette von Gemüse in Europa, von den Gewächshäusern in Almeria (Spanien) bis zu den deutschen Supermarktauslagen werden die verschiedenen Akteur*innen beleuchtet mit besonderem Fokus auf die massiven Arbeitsrechtsverstöße in der Landwirtschaft und die Marktmacht der Supermarktketten sowie internationale Solidarität und Arbeitskämpfe.